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Grundlagen der Temperierung

Es ist Winter, die Sonne scheint, es ist windstill und Sie sitzen leichtbekleidet vor einer Hütte und

genießen die Wärme auf Ihrer Haut. Sie kennen das wahrscheinlich. Sie werden von infraroter

Wärmestrahlung wohlig gewärmt. Da die Hütte in Ihrem Rücken auch gut aufgeheizt ist,

erhalten Sie die Wärmestrahlung von allen Seiten. Und zwar mehr als Sie selbst abgeben.

Sie erkennen schon: auf die Lufttemperatur kommt es gar nicht an. Eine Heizung ist demnach nutzlos,

wenn die Innenseiten der Außenwände kalt sind und die Raumluft bewegt wird - also Zugefekte durch

falsche Beheizung erzeugt werden

 

Es gilt also, die Innen-Oberfläche der Außenwände - Ihre dritte Haut - direkt und ohne Umwege auf

effizienteste Weise zu temperieren und so einen Verlust direkt an der VERLUSTOBERFLÄCHE.

auszugleichen - in vereinfachten Worten: die Oberflächentemperatur auf dem Niveau des sommerlich

unbeheizten Raumes zu halten.

 

So ist über Milliarden von Jahren das Leben auf unserem Planeten entstanden - über Austausch von 

Energie mittels Strahlung.

Feste Körper beginnen zu strahlen, wenn deren Temperatur 0 Kelvin - also -273 °C - überschreitet.

Welchen Unterschied die Temperierung macht, was es mit der Konvektionsheizung auf sich hat,

und was ein gesundes Raumklima ausmacht - das können Sie auf diesen Seiten erfahren.

 

Warum müssen wir heizen?

 

Sobald die Tagperiode kürzer als die Nachtperiode ist, die Sonne also weniger Energie liefert,

als ein Gebäude über die Nacht wieder abgibt, kühlt das Gebäude ab. Dies ist bei speicher-

fähigen - also massiven - Gebäudehüllen irgendwann ab Herbst bis in die Frühjahresmonate der

Fall. Zwangsläufig muß nun die verminderte Strahlungsleistung der Sonne und die daraus folgende

Abkühlung der Innenoberflächen durch Beheizung ausgeglichen werden. 

 

Die einfachste Art, dies zu tun, ist es, ohne Umwege direkt die Gebäudehülle lückenlos zu versorgen,

und nicht den ineffizienten Umweg über das chaotisch wirbelnde Lebensmittel Luft mit einer

Konvektionsheizung zu wählen.

 

Die Temperierung

 

ist  ein System, mit dem eine energetische und Feuchtigkeitssanierung ohne Veränderung der 

Gebäudeansicht erreicht werden kann.  Bei einer speicherfähigen Aussenhülle sperrt Dämmung die

Sonne aus und kann nicht mehr genutzt werden, obwohl die Strahlungsleistung im Winter immer noch

nennenswerte Größenordnungen erreicht.

 

Die Temperierung erfolgt umweglos und deckt kontinuierlich den Verlust der Gebäudehülle. Der

Kollateral-Nutzen dieses Verfahrens ist umfassend.

 

Temperierung schafft ein zugleich physiologisch gesundes und konservatorisches Klima in Räumen

und Bausubstanz. Sie trocknet feuchte Wände und sorgt für behagliche, zug- und staubfreie Wärme.

Die Oberflächen in den Räumen werden auf die Temperaturen gebracht, die im Sommer im

unbeheizten Zustand vorliegen und in denen wir uns wohl fühlen. Schimmel gehört dauerhaft der

Vergangenheit an. Der Lüftungsbedarf sinkt und die gesamte Gebäudehülle hat einen verminderten

Energiebedarf - eben durch Temperieren der Hülle!

 

Temperierung erreicht alle wesentlichen Aufgabenstellungen mit minimalem technischen Aufwand.

Das Kosten-Nutzen Verhältnis ist bei Einbau und laufendem Betrieb hervorragend. Die Wirkungs-

weise wurde von verschiedenen Institutionen (z.B. Frauenhofer Institut für Bauphysik) bestätigt.

 

Bislang als nicht oder kaum beheizbar geltende Bauwerke wie z.B. Kirchen, Burgen oder Schlösser

sind - korrekt ausgeführt - zu wirtschaftlichen  Bedingungen warm und trocken.  Anfänglich nur im

musealen Bereich eingesetzt, stellte die Temperierung schnell auch ihre Vorzüge für Wohn- und

Arbeitsräume unter Beweis.

 

Geschichte

 

Hinter der Temperierung steckt das Prinzip des römischen Hypocaustums, das eine gleichmäßige,

als sehr angenehem empfundene Wärmestrahlung von den Innenflächen der Außenwände in den

Raum abgibt.

 

Abb..: Funktionsschema einer Hypokaustheizung. Aus D. Baatz/ F.-R. Herrmann (Hrsg.), Die Römer in Hessen (Stuttgart 1989).

 

Anfang der 80er Jahre wurde die Temperierung (auch bekannt als Hüllflächentemperierung) von

Henning Großeschmidt (bis 2008 leitender Restaurator am Bayrischen Landesamt für

Denkmalpflege/Landesstelle für nichtstaatliche Museen) nach dem Vorbild des Hypokaustums

entwickelt und z.B.  im Museum Starnberger See erfolgreich angewendet. Er entwickelt und

vereinfacht das System auch heute noch im Ruhestand ständig weiter.

 

Henning Großeschmidt glaubte selbst bis zur Einführung dieses Systems, daß physikalischer

Bautenschutz, konservatorische Aufgabenstellung, Gesundheit und Behaglichkeit unvereinbare

Anforderungen seien. Konzipiert als effektive Methode zur Lösung konservatorischer Aufgaben-

stellungen bei Museums- und Sakralbauten, stellte die Temperierung ihre Stärken in Sachen

Behaglichkeit entgegen allen Erwartungen unter Beweis, so daß sie auch in Räumen mit Wohn- und

Arbeitsnutzung eingesetzt wird.

 

Es zeigte sich, daß damit auf einfachste Weise Behaglichkeit, Gesundheit, konservatorische und

sanierungstechnische Anforderungen unter einen Hut zu bringen sind. Hohe Lufttemperaturen,

Schimmel, (Fein-)Staubaufwirbelung, ungünstige Luftfeuchtigkeitswerte - also alle unguten

Begleiterscheinungen der freien und chaotischen Raumluftkonvektion  - sind nicht mehr gegeben.

 

Das Strahlungswärmeklima ist eine Näherung an die natürlichen Bedingungen, unter denen sich das 

Leben auf der Erde entwickelt hat - Austausch von Energie mittels Strahlung, wie sie von der Sonne

ausgeht.

 

Die Systematik der Temperierung ist seit über 30 Jahren in hunderten von Gebäuden bewährt. Daher

sind auch alle Versuche, das System zu diffamieren, gescheitert. Es ist der Standhaftigkeit von Herrn

Großeschmidt zu verdanken, daß uns diese brilliant einfache Technik heute zur Verfügung steht. Ein

Energieberater und Heizungsbauer formulierte es so: "Das System ist einfach genial - es ist auf das

Wesentliche reduziert, da kann nichts mehr weggelassen und es braucht nichts ergänzt zu werden"

 

Einsatzgebiete

Sanierung, Klimastabilisierung und Beheizung von Altbauten, Neubauten, denkmalgeschützten

Gebäuden, Museen, Kirchen, Büro- und Gewerberäumen, Lagerhallen u.v.m..

 

Vorteile der Temperierung

  1. keine freie und unkontrollierte Konvektion in den Raum hinein, keine Staubumwälzung und damit keine keimbelastete Luft. Die Konvektion einer sehr kleinen Luftmenge erfolgt physikalisch kontrolliert an der Wand- auch bekannt unter dem Namen Coanda-Effekt.
  2. Verstaubung/Verdreckung der Rauminnenflächen ist wesentlich vermindert - längere Renovierungsintervalle
  3. keine Kondensatbildung oder Feuchtesorbtion aufgrund warmer Wandoberflächen. Somit ist Schimmelbildung unmöglich. Die im Winter ohnehin geringere Luftfeuchtigkeit bleibt in der Raumluft, die Wand bleibt trocken.
  4. konservatorisch konstantes Raumklima.
  5. kein bis geringer Nachbefeuchtungs-Bedarf während der Heizperiode.
  6. hohe Behaglichkeit bei deutlich niedrigeren Raumlufttemperaturen - ohne Zugerscheinungen, die der Hauptgrund für Kältegefühl sind.
  7. gesundheitsfördernd: Entlastung des Kreislaufs, da Lunge ihre Kühlfunktion besser ausführen kann. Schleimhäute bleiben feucht. Luft ist keimarm und praktisch staubfrei.
  8. keine Heizkörper mehr erforderlich.
  9. mehr Flexibilität für Stellflächen aufgrund fehlender Heizkörper
  10. geringer Materialbedarf und einfache Technik mit minimalem Wartungsaufwand.
  11. energetische Sanierung des Baukörpers erfolgt auf physikalischem Weg.
  12. deutliche Verbesserung der Wärmeleitfähigkeitswerte (damit auch der U-Werte) durch trockenes Mauerwerk.
  13. kann mit unterschiedlichen Warmwasser-erzeugenden Wärmequellen betrieben werden. Die ganzjährig durchlaufende Temperierung im erdberührenden Bereich erhöht bei Kombination mit Solarthermieanlagen ganz nebenbei deren Wirkungsgrad - der Energieverbrauch wird nicht erhöht.
  14. einfache Trockenlegung feuchten Mauerwerks z.B. in der Denkmalpflege (z.B. Kartause Mauerbach bei Wien, Souterainsockel, Wien, Jadengasse 4)
  15. wesentlich Vereinfachte Mauer- und Putzsanierungen im EG-Bereich. Perimeterdämmungen und Horizontal-Abdichtungen werden überflüssig.
  16. bei geeignetem Mauerwerk wird das Ziel der energetischen Sanierung auf physikalischem Weg erreicht, ohne Einsatz von Aussendämmungsmaßnahmen. Dies trifft auf monolithische Aussenwände ausreichender Stärke in der Regel zu. Solare Energieeinträge werden nutzbar und historische Fassaden bleiben erhalten.
  17. raschere Abtrocknung von Mauerwerk nach Hochwasser (z.B. Salzstadel Regensburg).
  18. Zunahme der Festigkeit von prösem Putz und Ziegeln.
  19. vielfach entfällt die Notwendigkeit zusätzlicher Klimatisierungsmaßnahmen des Gebäudeinneren.
  20. Energiebedarfseinsparungen von bis zu 30% sind nicht ungewöhnlich. Bei der Raumlufttemperatur wird von 6% und bei der Vorlauftemperatur wird von 2,5% weniger Energie pro Grad Absenkung ausgegangen. Zudem ist deutlich weniger Heizwasser im Umlauf und das System erwärmt im Gegensatz zur freien Konvektion nicht die Raumluft.

Nachteile der Temperierung

unbekannt

 

DIN und EnEV

DIN und EnEV sind unvollständig und können nicht auf die Temperierung (und auf Strahlungs-

heizungssysteme im Allgemeinen) angewendet werden! Die Gründe dafür werden unter anderem in

Stellungnahmen verschiedener Architektenkammern zur EnEV aber auch in diversen Facharbeiten

und Stellungnahmen von Baufachleuten aufgeführt und ausnahmslos in der Praxis bestätigt. Diese

Aussage gilt ganz besonders für die DIN 4108. Die DIN18599 ist in dieser Hinsicht schon erheblich

besser. Die wichtigsten Grundlagen zu dieser Aussage seien in Kürze nachfolgend aufgezählt:

 

  1. Die DIN 4108 geht von stationären Verhältnissen im Innen- und Aussenbereich eines Gebäudes aus. Es ist einfach nachvollziehbar, das dies in der Realität niemals der Fall ist. Tagestemperaturen schwanken über 24 Stunden erheblich. Sonneneinstrahlung verändert sich etc..
  2. Die DIN 4108 geht davon aus, daß die Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes nicht durch das Beheizungssystem beeinflusst werden kann und somit immer einen gewissen Feuchtigkeitsgrad hat. Dies ist nachweislich falsch. Je trockener ein Bauteil ist, desto günstiger ist dessen Wärmeleitfähigkeits-verhalten - der Energiebedarf sinkt. Alle Beheizungssysteme, die die Wandfeuchte vermindern oder eliminieren können, werden daher benachteiligt und würden bei Einhaltung der Norm zu groß ausgelegt. Trockenes Mauerwerk hat meßbar wesentlich bessere Dämm- und Speichereigenschaften. Aus der unvollständigen DIN entsteht die Forderung nach Dämmung, die an vielen Stellen bei korrekter Betrachtung unnötig, ja sogar kontraproduktiv ist.  Die praktische Erfahrung spiegelt dies ständig wider.
  3. Solare Wärmegewinne der Außenwand werden nicht berücksichtigt - weder auf der direkt bestrahlten Fläche, noch auf den Flächen, die nur diffuses Licht abbekommen (Nordseiten). Die DIN 4108 betrachtet nur solare Erträge über die Fenster. Solare Erträge über die Wände wurden noch in der Wärmeschutz-verordnung 95 berücksichtigt. Solare Wärmegewinne benötigen zur Nutzung speicherfähige, monolithische Wandaufbauten (mineralisch, Massivholz).
  4. Außendämmung "sperrt" die Sonne zum Mauerwerk hin aus - solare, kostenlose Wärmegewinne bleiben ungenutzt. Die Speicherfähigkeit von Dämmstoffen ist sehr gering. Die gedämmten Hüllen kühlen über Nacht aus und werden feucht. In Folge tritt bei Wärmedämmverbundsystemen schnell Verschmutzung und Algenbildung ein.
  5. Die Berechnungsgrundlagen der Strahlungsphysik sind nicht bzw. unvollständig berücksichtigt und somit fehlerhaft.
  6. Bei instationären Verhältnissen ist die Berücksichtigung des thermischen Wechselstromwiderstandes von elementarer Bedeutung - dieser wird in der DIN bis heute wider besseren und gesicherten Wissens nicht berücksichtigt.

 

Nachprüfungen in der Praxis - z.B. in Wedel, Bern oder  Luxemburg an mehreren hundert 

Bauobjekten - zeigen ohne Ausnahme, daß die tatsächlichen Verbrauchswerte weit unter den

rechnerischen Werten  der EnEV/DIN liegen - auch bei Gebäuden, die mit freier Konvektion beheizt

werden. Das hinter der EnEV und den Energieausweisen stehende Modell der DIN 4108 ist

daher als falsch und unzureichend zu bezeichnen. Besser wird es, wenn die Energieausweise auf der

DIN 18599 beruhen. Dies ist im gewerblichen Bereich vorgeschrieben, im nicht gewerblichen Bereich

erlaubt. Die Mehrkosten lohnen sich - laut Energieberatern fallen die theoretischen Bedarfswerte bei 

Anwendung der DIN 18599 auf ca. 50% der Werte nach DIN 4108. 

Übrigens beruhen die Förderprogramme der KfW ebenfalls auf der DIN 4108

 

Aufwendige Dämmmaßnahmen erzielen bei Weitem nicht den rechnerisch prognostizierten

Verbrauchssenkungseffekt und sind vielfach unwirtschaftlich. Feuchte- und Schimmelschäden im

gedämmten Mauerwerk sind in Verbindung mit dichten Fenstern, falscher Beheizung und falscher

Belüftung die logische Folge.

 

Diese Feststellungen werden von etablierten Energieberatern und Architekten bestätigt.

 

Das Fraunhofer Institut in Holzkirchen stellte in diversen Untersuchungen fest:

 

Fraunhofer Institut für Bauphysik. B Ho 8/83-II, Holzkirchen 1983, und EB-8/1985, Holzkirchen 1985.

Untersuchungen über den effektiven Wärmeschutz verschiedener Ziegelaußenwandkonstruktionen.

 

Untersucht wurden: Innendämmung, Außendämmung, porosierter Ziegel (ungedämmt, Stärke 50 cm),

2-schalige Wand, Raum mit und ohne Fenster.

 

Ergebnisse: Innendämmung führt zu höherer Wandfeuchte; bei 23 cm Außendämmung lag der Bedarf

um 3 % unter dem bei 10 cm, bei porosierter ungedämmter Ziegelwand (Stärke 50 cm) lag er

unter dem bei 23 cm Dämmung. (Anmerkung: Innendämmung führt in Verbindung mit

konvektiver Luftbeheizung bzw. mit falsch ausgelegter Beheizung, die nicht die gesamte

Verlustfläche auf ausreichende Oberflächentemperaturen zu bringen vermag, zu höherer

Wandfeuchte!)

 

Der Raum ohne Fenster hatte 12 % weniger Bedarf als der mit Fenster; nicht weiße Anstriche bzw.

Oberflächen absorbieren UV und IR, mit Zunahme der absorbierten Strahlung wird der Wärme-

durchgang umso kleiner, je höher (schlechter) der U-Wert (wie bei schwerem Mauerwerk) ist.

 

Die Messung des Wärmedurchgangs ergab 25 % geringere Werte als bei der üblichen

(Wärmebedarfs-) Berechnung ohne Einstrahlung. Nachtabsenkung ergibt keine Senkung des

Wärmebedarfs.

 

Mit anderen Worten: massive monolitische Werkstoffe (mineralisch oder Holz) dämmen und

bauen einen hohen thermischen Wechselstromwiderstand auf, wenn die Sonnenein-

strahlung genutzt und innen mit Strahlungswärmesystemen geheizt wird. Die Phasen-

verschiebung steigt mit Stärke des Mauerwerks, so daß ein Barackenklima ausbleibt und ein

gleichmäßig angenehmes Raumklima entstehen kann.

 

Es ist paradox  - wir werden per Verordnung falsch beraten und das Ganze wird dann auch noch mit

Steuergeldern über KfW und Bafa-Programme subventioniert.

 

Ich kann für die Objekte in meinem Wohnprojekt bestätigen, daß die Werte des Bedarfs-Energie-

ausweises nach EnEV viel höher liegen als die tatsächlich gemessenen Werte. Nach EnEV

empfohlene Sanierungsmaßnahmen sind in unserem sowie in vielen anderen Fällen nicht

wirtschaftlich.

 

Es gibt die Möglichkeit, Ausnahmen zu beantragen, wenn man nachweisen kann, daß die Ziele der

EnEV auch auf anderem Wege erreicht werden können. Ebenso kann Befreiung beantragt werden,

wenn nachgewiesen wird, dass die geforderten Maßnahmen unwirtschaflich sind! Über der EnEV

steht das Gebot der Wirtschaftlichkeit.

Ich habe mit anerkannten Berechnungsgrundlagen ein Rechenmodell für die Temperierung nach

Henning Großeschmidt aufgebaut, das der Realität zumindest deutlich näher kommt.

 

Die Heizlastberechnung gibt als Nebenprodukt die effektiven U-Werte von trockenen Bauteilen unter

Berücksichtigung der solaren Energieeinträge nach Wärmeschutzverordnung 95 aus. Das Modell ist

auf Strahlungsheizung in Verbindung mit weitgehend niedrigem Wasserdampfpartialdruck von Wohn-

und Arbeitsräumen anwendbar und wird anhand praktischer Beispiele evaluiert und verfeinert.

Die seit Juli 2014 bis September 2017 aufgelaufenen Werte zeigen eine gute Korrelation - in der

Regel liegt die Realität immer noch besser als die Ergebnisse des Rechenmodells.

 

Angewandte Technik

Abbildung:

Die Temperierung. Wirkungsmechanismus in„historischer“ Situation: Bauteile ohne Wärmedämmung und Feuchtesperre, durch kontinuierliches Wärmeangebot trocken gehalten

 

Rote Punkte: Heizrohrschleife (Vor- und Rücklauf, CU blank, versch. Durchmesser) im Innenputz bei max. 15 mm Überdeckung

Bei erdberührten Böden: 1. Leitung (Vorlauf) knapp über dem Fertigfußboden

Lange Pfeile: Wärmeverteilung durch Wärmeleitung: radial im Material der Wandbodenecke

Rote Kreise: Wärmestau mit zylindrischen Isothermen (Hochtemperatur nur im Rohrnahbereich,

Rundpfeile: Wärmeverteilung durch Konvektion: Warmluft-Auftrieb, an der Wandoberfläche anliegend (Coanda-Effekt)

Kleine Pfeile: Wärmeabstrahlung der Bauteiloberfläche

(Hochtemperatur nur im Rohrnahbereich,

Blauer Pfeil: Bodenfeuchte. Thermische Horizontalsperre durch die radiale Wärmeausbreitung

 

Basierend auf einer Grafik von Miha Praznik

ZRMK, Ljubljana.

Quelle: H. Großeschmidt, Das temperierte Haus - sanierte Architektur - behagliche Räume - "Großvitrine"

 

Ein System aus dünnen Kupferrohren wird mindestens im Sockelbereich (je nach Anwendungsfall

auch in Brüstungshöhe) der Außen- und Zwischenwände knapp unter oder auf der Putzoberfläche

verlegt und an eine Heisswasserquelle angeschlossen.

Im erdberührenden Bereich wird durch Wärmeabgabe in die Wand auf physikalische Weise eine

Feuchtigkeitssperre in der Sockelzone erzeugt, da der Kapillareffekt durch die Temperierung im

Mauerwerk auf physikalischem Weg zuverlässig gestoppt wird. Zur Raumseite hin wird die Oberfläche

warm.

 

Diese strahlt Wärme ab und heizt einen dünnen Luftfilm auf, der physikalisch geführt an der Wand

aufsteigt . Die Wand entzieht dem Warmluftstrom energie, so daß dieser praktisch an der Wand

"haftet". Es kann sich keine Raumluftwalze - also keine freie, chaotische Konvektion - mehr bilden.

Dieses Phänomen wird unter dem Namen "Coanda- Effekt" beschrieben.

 

So erwärmt sich eine immer größere Fläche und gibt selbst immer mehr Wärmestrahlung ab - wie ein

Grundofen. Die Oberflächentemperaturen von Wänden, Decken, Böden und Mobiliar gleichen sich

aneinander an und alle Hüllflächen strahlen behagliche Wärme ab. Durch besondere und einfache

Rohrführung wird über die Grundtemperierung hinaus eine raumindividuelle Temperierung möglich,

so daß die Temperierung ein durchaus schnelles Reaktionsverhalten aufweist.

 

Auch in kühleren Räumen ist automatisch gewährleistet, daß keine Feuchtigkeit an den Hüllflächen

entstehen und sorbiert werden kann, da die Oberflächentemperatur in Bezug auf die Raumluft-

temperatur immer über dem Taupunkt liegt. Die Raumtemperatur kann maximal die Temperatur der

Oberflächen annehmen.

 

Die Zusammenhänge können sehr einfach aus dem Behaglichkeitsprofil nach Bedfort und Liese in

Verbindung mit dem Mollier-Diagramm (Anleitung dazu) entnommen werden.

 

Überaus erfreulich ist, daß sich die Temperier-Anlage ohne die Notwendigkeit einer elekronischen

Steuerungstechnik aufgrund ihres Aufbaues mit wenigen mechanischen Elementen selbst regelt

und einfach manuell eingestellt werden kann. 

 

Natürlich ist eine automatisierte Steuerung über die unterschiedlichen Jahresperioden ebenso

möglich. Eine wartungsintensive Anlagentechnik ist nicht erforderlich. Der Wärmebedarf der

Gebäudehülle wird direkt und ohne Umweg gedeckt. Eine Auskühlung von Bauteilen kann bei

korrekter Beriebsweise nicht stattfinden. Teure flankierende Maßnahmen wie Perimeter- oder

Aussen-Wanddämmungen können i.d.R. entfallen. Ohne Aussendämmung werden solare

Energieerträge durch eine monolithische und speicherfähige Bausubstanz nutzbar.

 

Das Thema des Taupunktes ist in Verbindung mit Temperierung nicht mehr relevant!

 

Kasten- und Verbundfenster können bei guter Grundsubstanz erhalten bleiben. Mit einfachen

Aufarbeitungs-Maßnahmen kann für eine gute Dichtung gesorgt werden.

 

Wo dies nicht möglich ist, reicht der Einsatz relativ einfacher Doppelglas Fenstersysteme aus, 

an die keine erhöhten U-Wert Anforderungen gestellt werden müssen. Auch am Glas stellen sich

erhöhte Oberflächentemperaturen ein und Kondensatbildung bleibt aus. Teures und bedampftes

3-Fach Glas bringt keinerlei Zusatznutzen - es zeichnet sich durch hohe Kosten aus und ist aus

lichtbiologischer Sicht sogar bedenklich.

 

Warum ist eine einfache Glasqualität ausreichend? Langwellige infrarote Wärmestrahlung kann Glas

nicht passieren und wird reflektiert. Kurzwellige Strahlung der Sonne durchdringt die Scheibe, 

wird z.T. direkt in langwellig Strahlung gewandelt bzw. erwärmt Material im Raum. Diese wiederum

emittiert langwelllige Strahlung. Glas bildet also eine "Wärmefalle".

 

Flankierende Maßnahmen wie die Dämmung des Dachgeschosses/der obersten Geschossdecke

sowie der Kellerdecke sind sinnvoll, reichen oft schon aus und sind wirtschaftlich.

Die Lüftungswärmeverluste sind gering. Wärmestrahlung ist "diatherm" - sie heizt Material auf aber

nicht Luft.  Da alle Hüllflächentrocken werden, sinkt der effektive U-Wert der massiven monolithisch-

mineralischen Gebäudeteile auf Werte, die deutlich unter den verordneten

Bemessungswerten der DIN/EnEV liegen (ca. 50%).

 

Trockene Wände haben eine stark reduzierte thermische Leitfähigkeit. So besitzen Massivholz und

mineralische Baustoffe wie z.B. Ziegel oder Betonwerkstoffe von Haus aus gute Dämmeigen-

schaften in Verbindung mit guter Wärmespeicherfähigkeit.

 

Schimmel:

Aufgrund der erhöhten Oberflächentemperatur kann sich keine Feuchtigkeit an den Innenseiten der

Aussenbauteilen mehr anlagern. Damit ist der Schimmelbildung dauerhaft jegliche Grundlage

entzogen. Die physikalischen Grundlagen entnehmen Sie bitte dem Fachartikel "Das temperierte

Haus...behagliche Räume "Großvitrine"".

 

Betriebsweise

Soll der Trocknungseffekt bei erdberührtem Mauerwerk ganzjährig erzielt werden, wird die

Temperierungsanlage auch außerhalb der Heizperiode mit reduzierten Vorlauftemperaturen im

Bereich des erdberührenden Mauerwerks oder über unbeheizten Kellerbereichen mittels separaten

Schleifen betrieben.

 

Auf diese Weise startet man mit optimal vorbereitetem Mauerwerk in die Heizperiode. Diese

Maßnahme senkt den Gesamtenergiebedarf des Gebäudes. Wird dies unterlassen, steigt

der Wärmebedarf sogar an - vergleichbar mit dem erhöhten Spritverbrauchs eines Fahrzeugs im

Stop-and-Go Verkehr.

 

Gesundheit

Die Lunge ist das größte Kühlorgan des Menschen - sie besitzt 40 mal mehr Fläche als die Haut. Sie

kann ihre Funktion umso besser erfüllen, je kühler die Raumlufttemperaturen sind. Ist dies nicht der

Fall, so reagiert der Körper mit erweiterten Blutgefäßen, einer höheren Pumpleistung des Herzens

sowie Schwitzen.

 

Ärzte raten Herzpatienten also nicht von ungefähr zu kühlen Raumtemperaturen. Die Raumluft-

temperaturen optimal strahlungsbeheizter Räume liegen vom Boden bis zur Decke weitgehend

konstant und mit 18 - 21 Grad deutlich unter denen von Heizungen mit freier Konvektion - bei deutlich

besserer Behaglichkeit.

 

Ebenso sinkt aufgrund der vorgenannten Fakten der Lüftungsbedarf, was eine weitere Energiever-

brauchssenkung zur Folge hat.  Da es keinen raumgreifenden chaotischen Konvektionsluft-

strom (freie Konvektion) mehr gibt, der den Hauptteil der Energie unter die Decke transportiert, gibt

es keine Zugerscheinung und keine Aufwirbelung von Staub - nicht nur Allergiker müssen darüber

erfreut sein.

 

Da Zugluft fehlt, trocknen die Schleimhäute nicht so stark aus - eine Hauptursache für viele

Erkältungen in der Heizperiode und das Gefühl kalter Beine ist beseitigt.

 

Dass die Temperierung funktioniert, zeigen zahlreiche erfolgreiche Umsetzungen (vgl.

Anwendungsbeispiele). Der wissenschaftlichen (experimentell gestützten) Erforschung ihrer

Funktionsweise haben die zuständigen Institutionen trotzdem lange keine Bedeutung beigemessen

(rühmliche Ausnahme war das Forschungsprojekt „EU 1383 Prevent“).

 

Seit einiger Zeit kann hier ein Umdenken festgestellt werden (vgl. Forschungsprojekt Temperierung).

Der Pionierarbeit und dem Durchhaltevermögen Henning Großeschmidts ist hohe Anerkennung zu

zollen.

 

Funktions-Bedingungen

Temperierungsanlagen zeichnen sich durch hohe Anpassungsfähigkeit aus. Die folgenden

Grundvoraussetzungen sollten für eine optimale Realisierung dennoch sichergestellt sein